Reflexion zum Jahresende: So gelingen Neuanfänge

Jahresvorsätze gelingen nicht einfach so. Echte Neuanfänge mit nachhaltiger Wirkung brauchen mehr: Reflexion, bewusste Zielsetzung und Fokussierung. Hier bekommst du all das Wissen, das du brauchst.

Marek Steinbach

von Marek Steinbach

Marek ist der GenZ-Redakteur bei Frinton. Die Zukunft "spürt" er wie kein anderer. Er schreibt über gesellschaftliche Veränderungen, Umwelt, Lifestyle-Themen oder auch Religion.

29. Dezember 2025 7 Minuten

Jahresendreflexion: So gelingen Neuanfänge mit Ignatius von Loyola

TL;DR: Eine kraftvolle, nachhaltige Jahresendreflexion ist der Schlüssel. Sie hilft, das vergangene Jahr ehrlich zu betrachten und echte Neuanfänge anzugehen. Neue Gewohnheiten können leichter von dir etabliert werden und du hast weniger Frust rund um Neujahrsvorsätze. Dabei lege ich dir ein paar Impulse von Ignatius von Loyola an die Hand, die auch ohne Religiosität gut umsetzbar sind.

Warum Ignatius von Loyola? Soll ich jetzt religiös werden oder was?

Hier kommt ein Sonnenaufgang für dein Jahr 2026.
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Nein! Ignatius hat ganzheitliche Reflexionsmethoden entwickelt, die auch für nicht-religiöse Menschen ausführbar sind. Seine zentrale Methode ist der Tagesrückblick, oder wie er ihn nennt: "Das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit". Sie verbindet Selbstfühlbarkeit, Rückblick, Danksagung und Entscheidungsfindung. Ignatius nennt letzteres die "Scheidung der Geister", die dazu führen soll, zielstrebiger durch das Leben zu gehen. Die Anleitung dazu haben wir dir in diesem Artikel mitgebracht, damit du typische Neujahrs-Vorsatz-Fallen überwindest und dein inneres Wachstum stärkst.

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Hand aufs Herz: Wie oft bist du an Neujahrsvorsätzen gescheitert? Genau, ziemlich oft – wie fast alle Menschen. Doch es muss nicht beim Frust bleiben! Unser Alltag ist schnelllebig, voll von Terminen und Erwartungen. Da ist zwischen Dezember und Januar kaum Raum für große Pläne für das neue Jahr. Doch die Methode von Ignatius von Loyola lädt ein, das Alte in wenig Zeit, dennoch liebevoll abzuschließen, Erkenntnisse zu gewinnen und mit realistischen und fundierten Neuanfängen ins neue Jahr zu gehen.

  • Ergebnisse statt leerer Vorsätze: Mit Reflexion gibt es echten Fortschritt.
  • Verbindung von Kopf und Herz: Die Methode bezieht Gefühle, Gedanken und Werte ein.
  • Chance auf echte Veränderung: Wer achtsam reflektiert, kann sich ändern!

Welche Grundlagen helfen dir bei deiner Jahresreflexion?

Hier wird für dich auf den Punkts gebracht, was in deinem Leben Wellen schlagen kann.
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Im Zentrum der Spiritualität von Ignatius standen Achtsamkeit, Dankbarkeit und die Bereitschaft, das eigene Tun vor Gott und/oder dir selbst ehrlich anzusehen. Basis dafür sind die "Geistlichen Übungen" – Ignatius nennt so die Übungen  (Exerzitien) – die er in einem Büchlein zusammengefasst hat. Aus diesem Anleitungsbuch lässt sich auch eine Kurzanleitung für den täglichen Rückblick erstellen, die auch für den Jahresrückblick grundlegend ist.

  • Die Exerzitien: Sie sind geistliche Übungen für jedes Lebenstempo (hier findest du Ignatius Buch dazu).
  • Der Tagesrückblick: Ist eine dieser Übungen, die dem Jahresrückblick ähnelt um Achtsam und ehrlich auf den Tag zu blicken (hier findest du die genaue Beschreibung der Jesuiten dazu).
  • Dankbarkeit: Ist die Basis für innere Veränderung (mehr dazu hier). Das hat nichts mit Glaube oder Spiritualität, sondern mit deiner inneren Einstellung zur Welt zu tun.

Wie gestaltest du deine Jahresendreflexion? Step-by-Step Anleitung

Die Reflexion beginnt mit Stille, geht über eine ehrliche Rückschau, führt zu Dankbarkeit, bittet um Klarheit und endet in konkreten Vorsätzen. Schritt für Schritt bekommst du so Orientierung und Energie für echte Veränderungen. Vielen hilft es, die Augen leicht zu schließen oder sich einen Fixpunkt zu suchen, um nicht abgelenkt zu werden.

  1. Vorbereitung: Ich suche mir einen ruhigen Platz, an dem ich die nächste Zeit gut verweilen kann und an dem ich nicht gestört werde und bereite diesen vor: Ich lege mir etwas zum Schreiben bereit. Wenn ich damit gut starten kann, lege ich mir ein Lied, eine aufgeschriebene Lebensweisheit, ein Gebet o.ä. bereit.
  2. Geistfindung: Ich begebe mich in eine aufrechte Sitzposition, in der ich mich gut fokussieren kann (am hilfreichsten sind ein Yogakissen oder ein Gebetshöckerchen). Ich achte für einige Atemzüge darauf, wie die Luft in mich hineinströmt und wieder herausströmt und spüre, wie ich den Boden berühre.
  3. Rückblick: Ich schaue nun achtsam in das vergangene Jahr zurück und gehe es Monat für Monat durch: "Was habe ich erlebt?"
  4. Reflexion: Jeweils min. 2-3min.; A. "Was war schön/aufregend/neu? / Was ist mir gelungen?", B. "Was davon möchte ich gerne in das kommende Jahr mitnehmen?" C. (Sei freundlich zu dir!) "Was war fordernd/anstrengend/emotional/chaotisch?" "Was habe ich aus diesen Situationen gelernt?" 
  5. Dankbarkeit: Nun trete ich gedanklich einen Schritt zurück und blicke noch einmal mit etwas Abstand auf das gesamte vergangene Jahr und spüre nach: Jeweils min. 1-2min.; A. "Wofür bin ich dankbar?", B. "Was beschäftigt mich noch / Was bedrückt mich?" 
  6. AnnahmeWenn du religiös bist: "Ich bewahre mir die schönen Dinge und meine Learnings im Herzen und lege alles, was mir noch nachhängt und mich bedrückt in Gottes liebende Hand."; Wenn du nicht religiös bist: "Ich bewahre mir die schönen Dinge und meine Learnings im Geiste und gebe alles, was mir noch nachhängt und mich bedrückt ab in den Raum."
  7. Vorblick: Ich wende mich nun dem neuen Jahr zu: "Welche Pläne habe ich? Welche neuen Wege möchte ich beschreiten?"
  8. Vorsatz: Ich formuliere 1 bis 2 realistische, positive Neuanfänge oder Gewohnheiten.
  9. Abschied und Neuanfang: Ich verneige mich vor dem vergangenen Jahr und mir selbst, der Person, die das alles erlebt und überstanden hat. Ich verabschiede das vergangene Jahr mit einem Ritual (Kerze, Musik, Segen, …).
  10. Visualisierung: Ich schreibe alles auf, was ich aus dem Jahresrückblick mitnehmen möchte und formuliere meine Neuanfänge/Vorsätze schriftlich aus. Wenn ich möchte, halte ich meine Gedanken, Gefühle, Wünsche o.ä. in malerischer Form fest. Ganz wichtig: Das ist für mich alleine! Daher bewahre ich es an einem Ort auf, an dem ich immer wieder darauf blicken kann, bspw. Nachttisch oder an meinem Arbeitsplatz.

Zukunftswerkstatt "Ich": Erfahrung mit Rückblicken und Neuanfängen.

Einen schönen Ort und was zum Schreiben — mehr brauchst du nicht.
Einen schönen Ort und was zum Schreiben — mehr brauchst du nicht.

Hi, ich bin Marek, Redakteur bei FRINTON und co-Autor dieses Artikels. In diesem Abschnitt möchte ich dir erzählen, welche persönlichen Erfahrungen hinter dieser Methode stecken und wie du das Beste aus deinem kommenden Jahr machen kannst. Viele Menschen berichten, dass sie dank ignatianischer Reflexion gelassener und mit mehr Zuversicht ins Neue starten.

Kennengelernt habe ich die "Geistlichen Übungen" von Ignatius bei dessen Ordensbrüdern, den Jesuiten. Was mich faszinierte: Sie können problemlos von sekularen (nicht religiösen) Menschen angewendet und übernommen werden. 

Ignatius Spiritualität basierte auf Meditation und Reflexion und ist homozentristisch (auf den Menschen ausgerichtet). Gottesbeziehung bedeutete für Ihn das innere Ergründen nach dem göttlichen, in sich selbst und im Nächsten. 

Wie fühlt sich das an? Aufgeräumt! Die täglichen Übungen von Ignatius schaffen einen sehr aufgeräumten Geist. Man ist zielstrebig, kreativ und begegnet der Welt mit großer Freude. 

Was du noch unbedingt beachten solltest

Die Jahresreflexion basiert auf der Übung des "Tagesrückblicks". Ignatius hält diese für die aller wichtigste Praktik, die täglich, abends vor dem Schlafengehen, geübt werden sollte. Diese Praktik möchte ich dir wärmstens für das kommende Jahr ans Herz legen. Denn sie stellt sicher, dass du deine Vorhaben auch einhälst und verfolgst. Es reichen bereits 10-15min. aus, um deinen Tag zu reflektieren, deine Gedanken zu sortieren, dich neu zu fokussieren, Vergangenes loszulassen und dadurch ruhig zu schlafen.

Hier findest du die Anleitung der Jesuiten dazu.

Wenn du selbst einmal die ignatianische Spiritualität kennenlernen möchtest, dann kann ich dir nur wärmstens empfehlen mit Jesuiten in kontakt zu treten. Die Jesuiten sind super weltoffener Orden der katholischen Kirche, die für die Menschen da sein, aber ihren Glauben und ihre Spiritualität nicht aufdrängen wollen. Für junge Menschen kann ich die Zunkunftswerkstadt (Frankfurt oder Innsbruck) empfehlen. Dort kann man, über kürzere oder längere Aufenthalte, ignatianische Spiritualität kennenlernen. Auf lange Frist gibt es auch die Möglichkeit bei Jesuiten 10tägige oder 30tägige Exerzitien zu machen. 

Das ganze gibt es natürlich sehr ähnlich auch in anderen Religionen oder auch nichtreligiös (z.B. Vipassana). Mit dem beschriebenen habe ich persönlich sehr gute Erfahrung gemacht.

Welche Fehler passieren oft – und wie umgehst du sie bei der Jahresreflexion?

Die größten Fehler sind: zu schnelle Selbstkritik, zu hohe Erwartungen und fehlende Konsequenz. Mit realistischen Zielen, Mitgefühl mit dir selbst und schrittweisem Dranbleiben lassen sie sich vermeiden.

  • Zerredest du deine Schwächen? – Bleib freundlich und ehrlich: Jeder macht Fehler.
  • Verlierst du im Januar den Mut? – Setze kleine, erreichbare Ziele; feiere auch Mini-Erfolge!
  • Vergleichst du dich ständig? – Fokussiere dich auf deinen Weg, statt auf die Insta-Challenge anderer.
  • Du lässt deine Vorhaben schleifen? – Blocke feste Termine, z. B. für den Tagesrückblick vor dem Schlafengehen; Reflexion liebt Routine!

Was solltest du jetzt direkt tun, um deine Jahresendreflexion optimal zu nutzen?

Starte ehrlich, klein und bleibe am Ball! Reserviere dir feste Zeiten, notiere Erkenntnisse, genieße kleine Rituale – und such das Gespräch. Der Neuanfang braucht Herz und Hand.

  • ✅ Blocke einen festen Termin für deine Reflexion (z. B. 31.12. 16:00 Uhr – Handy aus!).
  • ✅ Richte einen besonderen Ort her (Kerze, Musik, gutes Getränk).
  • ✅ Schreibe auf, was gelungen ist – feiere kleine Siege!
  • ✅ Notiere 1-2 echte Herzensziele für das neue Jahr, keine Wunschliste.
  • ✅ Lies nach ein paar Monaten nach: Was hat sich getan?

Häufige Fragen zu Jahresendreflexion und Ignatius von Loyola

Wie unterscheidet sich die ignatianische Reflexion von klassischen Neujahrsvorsätzen? Sie setzt tiefer an: Es geht um ehrlichen Rückblick, Dankbarkeit und spirituelle Klärung statt reine Willenskraft. Dadurch sind Neuanfänge oft nachhaltiger.

Wie oft sollte ich so eine Reflexion machen? Mindestens einmal jährlich (Dez/Jan). Monatlich oder als Tagesrückblick hilft, die Haltung zu stabilisieren.

Gibt es Hilfsmittel oder Literatur für Einsteiger? Ja, viele Online-Angebote, z. B. geistlicher Jahresrückblick, Apps oder die "Geistlichen Übungen" im Original von Ignatius.

Redaktionsfazit

Wer tiefer an seinen Lebenszielen arbeiten will, kommt um die ignatianische Reflexion oder simultane Konzepte kaum herum. Geh mutig ins neue Jahr – mit Dankbarkeit, Klarheit und echtem Rückenwind. Hier erfährst du mehr über das Scheitern klassischer Neujahrsvorsätze und findest Alternativen!

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