AfD im Realitätscheck: Diese Folgen hätte ihr Programm für Deutschland

Steuern runter, Migration begrenzen, Kernkraft zurück, Russland-Sanktionen beenden und Deutschland aus dem Euro-System führen: Die AfD verspricht keinen politischen Feinschliff, sondern einen grundlegenden Kurswechsel. Doch was davon würde dir als Arbeitnehmer, Selbstständigem, Familienvater, Mieter, Eigentümer oder Rentner tatsächlich etwas bringen – und wo beginnen die Risiken? FRINTON hat zentrale Forderungen des Bundestagswahlprogramms geprüft und mit aktuellen Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Rechts- und Wissenschaftsdaten abgeglichen.

09. September 2026 19 Minuten

🔎 TL;DR: Eine konsequente Umsetzung zentraler AfD-Forderungen würde Deutschland in mehreren Bereichen grundlegend verändern. Steuerzahler, Unternehmen und Immobilieneigentümer könnten durch niedrigere Abgaben profitieren, wobei Modellrechnungen besonders große Entlastungen bei höheren Einkommen zeigen. Gleichzeitig würden dem Staat nach einer ZEW-Simulation erhebliche Einnahmen fehlen, während zusätzliche Leistungen für Familien und Rentner versprochen werden. Besonders weitreichend wären der geplante Austritt Deutschlands aus dem Euro-System, die Abkehr von großen Teilen der heutigen Klima- und Energiepolitik, ein deutlich restriktiverer Migrationskurs sowie eine außenpolitische Annäherung an Russland. Viele dieser Vorhaben könnten zudem nicht einfach per Regierungsbeschluss umgesetzt werden.

🧭 AfD-Faktencheck: Was würde die Partei überhaupt verändern?

Wer über mögliche AfD-Politik spricht, muss zunächst zwischen drei Dingen unterscheiden: offiziellen Parteiprogrammen, Aussagen einzelner Politiker und tatsächlicher Gesetzgebung.

Dieser Faktencheck stützt sich deshalb in erster Linie auf das auf dem Bundesparteitag in Riesa beschlossene Bundestagswahlprogramm 2025. Es ist die zentrale bundespolitische Programmbasis, anhand derer sich konkrete Forderungen überprüfen lassen.

Und schon dort wird deutlich: Die AfD würde nicht einfach an einigen Stellschrauben drehen. Steuerpolitik, Sozialstaat, Migration, Energieversorgung, Europapolitik und Außenpolitik sollen teilweise grundlegend neu geordnet werden.

Bereich AfD-Forderung Mögliche Folge Realitätscheck
Einkommensteuer Grundfreibetrag auf 15.000 Euro und weitere Entlastungen Mehr Netto für viele Steuerzahler Hohe Einkommen profitieren in Modellrechnungen besonders stark
Grund- und Erbschaftsteuer Abschaffung Entlastung für Eigentümer und Erben Staat beziehungsweise Kommunen verlieren Einnahmen
Migration Mehr Zurückweisungen und Rückführungen, strengere Einbürgerung Deutlich restriktiveres System Fachkräftemangel bleibt ein Gegenproblem
Bürgergeld Strengere Voraussetzungen und Arbeitspflichten Mehr Druck auf Leistungsbezieher Verfassungsrechtliches Existenzminimum setzt Grenzen
Energie Kernenergie zurück, Kohle länger nutzen, CO₂-Abgaben abschaffen Kompletter Kurswechsel Kernkraft lässt sich nicht kurzfristig zurückholen
Auto Verbrenner schützen, EU-Vorgaben zurücknehmen Weniger politischen Druck zur Elektrifizierung Globale Autoindustrie entwickelt sich dennoch weiter Richtung E-Mobilität
Euro Deutschland soll das Euro-System verlassen Neue nationale Währung beziehungsweise neues Währungsmodell Rechtlich und wirtschaftlich extrem komplex
EU Umbau zu einem „Bund europäischer Nationen“ Mehr nationale Kompetenzen Deutschland kann EU-Verträge nicht allein ändern
Russland Sanktionen aufheben, Nord Stream reparieren Grundlegender Wechsel der deutschen Russlandpolitik Konfliktpotenzial innerhalb von EU und NATO
Bundeswehr Wehrpflicht wieder einsetzen Direkte Auswirkungen auf junge Männer Im Programm ausdrücklich vorgesehen

⚖️ Wichtig: Ein Wahlprogramm ist kein Gesetzbuch. Eine Forderung sagt zunächst nur, was eine Partei politisch erreichen möchte. Ob sie finanzierbar, juristisch zulässig und praktisch umsetzbar ist, ist eine zweite Frage. Genau diese Trennung ist für diesen Faktencheck entscheidend.

Weniger Steuern können mehr Netto bedeuten – doch wie stark du profitierst, hängt von Einkommen, Haushalt und Gegenfinanzierung ab. (KI-generiert)
Weniger Steuern können mehr Netto bedeuten – doch wie stark du profitierst, hängt von Einkommen, Haushalt und Gegenfinanzierung ab. (KI-generiert)

💶 Steuern und Wirtschaft: Mehr Netto – aber für wen?

Wer viel arbeitet und jeden Monat auf die Abzüge seiner Gehaltsabrechnung schaut, dürfte bei Teilen des AfD-Steuerprogramms zunächst aufhorchen.

Der einkommensteuerliche Grundfreibetrag soll auf 15.000 Euro steigen. Weitere Tarifgrenzen sollen angepasst werden. Hinzu kommen Forderungen nach der Abschaffung beziehungsweise Senkung verschiedener Steuern und Abgaben.

Die Partei möchte außerdem die Grundsteuer abschaffen. Kommunale Einnahmeausfälle sollen stattdessen durch Zuschläge auf Einkommen- und Körperschaftsteuer ausgeglichen werden. Auch die Erbschaftsteuer soll entfallen.

Wer hätte tatsächlich mehr Geld?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat zentrale Steuer-, Transfer- und Sozialvorschläge der Parteien zur Bundestagswahl 2025 modelliert.

Das Ergebnis ist für einen Faktencheck wichtig: Das AfD-Programm entlastet nicht ausschließlich Spitzenverdiener. Die Entlastungen steigen in der ZEW-Simulation jedoch stark mit dem Einkommen.

Bei einem modellierten Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern und 180.000 Euro Bruttojahreseinkommen errechnete das ZEW durch zentrale AfD-Vorschläge ein Plus von rund 19.190 Euro jährlich.

Bei einem vergleichbaren Haushalt mit 40.000 Euro Jahreseinkommen ergab die Modellrechnung dagegen zunächst ein Minus von 440 Euro. Grund dafür waren Wechselwirkungen mit dem Wohngeld. Das ZEW betont selbst, dass solche unbeabsichtigten Effekte bei einer tatsächlichen Gesetzgebung vermutlich korrigiert würden.

💡 Faktencheck: „Unter der AfD hätten alle automatisch massiv mehr Netto“ stimmt so nicht. Die Wirkung hängt von Einkommen, Familienstand, Transferleistungen und dem konkreten Gesetz ab. Nach der ZEW-Modellrechnung würden hohe Einkommen besonders stark profitieren.

Der Haken: Rund 97 Milliarden Euro weniger Staatseinnahmen

Entlastungen verschwinden nicht aus der volkswirtschaftlichen Rechnung. Was Steuerzahler weniger überweisen, steht zunächst auch dem Staat nicht zur Verfügung.

Das ZEW errechnete für die von ihm untersuchten AfD-Maßnahmen rund 97 Milliarden Euro weniger staatliche Einnahmen pro Jahr. Mögliche positive wirtschaftliche Rückkopplungen – etwa zusätzliches Wachstum durch geringere Steuern – wurden dabei allerdings nicht berechnet.

Die AfD setzt unter anderem darauf, Geld bei Migration, Klimapolitik, EU-Ausgaben, Verwaltung und staatlich finanzierten Organisationen einzusparen.

Ob diese Einsparungen ausreichen würden, um gleichzeitig Steuern stark zu reduzieren, Familien stärker zu unterstützen, Renten zu verbessern, Infrastruktur auszubauen und die Bundeswehr zu stärken, ist aus dem Wahlprogramm nicht belastbar ableitbar.

Genau hier liegt einer der größten Zielkonflikte: Einnahmen sollen stark sinken, während gleichzeitig zahlreiche Ausgabenversprechen bestehen bleiben oder ausgebaut werden.

Was würde sich für Unternehmer und Selbstständige ändern?

Auch für Unternehmer verspricht die AfD einen schlankeren Staat. Lieferkettenregeln, Nachhaltigkeitsberichterstattung und zahlreiche Dokumentationspflichten sollen reduziert oder abgeschafft werden. Unternehmenssteuern und Energiekosten sollen sinken.

Für Mittelständler könnte weniger Bürokratie tatsächlich Kosten reduzieren. Entscheidend ist jedoch, welche Auswirkungen gleichzeitig Veränderungen bei EU, Euro, Arbeitskräftezuwanderung und Außenhandel hätten.

Gerade exportorientierte Unternehmen sind stark in europäische Lieferketten eingebunden. Ein Unternehmen kann deshalb auf der einen Seite von weniger Bürokratie profitieren und auf der anderen Seite durch Währungsrisiken oder neue Handelsbarrieren belastet werden.

Deutschland braucht Fachkräfte: Restriktivere Migration und der wachsende Personalbedarf der Wirtschaft müssen gleichzeitig zusammenpassen. (KI-generiert)
Deutschland braucht Fachkräfte: Restriktivere Migration und der wachsende Personalbedarf der Wirtschaft müssen gleichzeitig zusammenpassen. (KI-generiert)

👷 Migration und Arbeitsmarkt: Wo der große Zielkonflikt liegt

Bei kaum einem Thema ist die AfD eindeutiger als bei Migration. Die Partei fordert eine wesentlich restriktivere Asyl- und Einwanderungspolitik sowie eine „umfassende Rückführungsoffensive“.

Gleichzeitig ist eine wichtige Differenzierung notwendig: Asylmigration und qualifizierte Arbeitsmigration sind nicht dasselbe. Das AfD-Programm schließt Fachkräftezuwanderung nicht grundsätzlich aus. Es fordert vielmehr eine „maßvolle und ausgewählte Migration qualifizierter Fachkräfte“.

Was würde beim Bürgergeld passieren?

Erwerbsfähige Grundsicherungsbezieher, die nach sechs Monaten noch Leistungen erhalten, sollen nach dem Programm zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen werden.

Für ausländische Staatsangehörige wären die Regeln erheblich strenger. Sie sollen erst dann Bürgergeld erhalten können, wenn sie mindestens zehn Jahre sozialversicherungspflichtig in Deutschland gearbeitet haben, ohne aufstockende Leistungen zu beziehen. Der anschließende Bezug soll auf ein Jahr begrenzt werden.

Ukrainische Kriegsflüchtlinge möchte die AfD aus dem Bürgergeld herausnehmen und beim Leistungsbezug Asylbewerbern gleichstellen.

Kann eine Regierung Sozialleistungen einfach beliebig kürzen?

Nein. Das Bundesverfassungsgericht leitet aus Menschenwürde und Sozialstaatsprinzip die Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums ab.

Mitwirkungspflichten sind grundsätzlich möglich. Sie müssen aber insbesondere verhältnismäßig sein. Der Gesetzgeber besitzt Gestaltungsspielraum, kann existenzsichernde Leistungen jedoch nicht völlig unabhängig von Grundrechten ausgestalten.

⚖️ Realitätscheck: Eine Regierung könnte Bürgergeldregeln deutlich verschärfen. Die Vorstellung, man könne das Existenzminimum bestimmter Bedürftiger nach Belieben komplett streichen, ignoriert jedoch verfassungsrechtliche Grenzen.

Das Problem: Deutschland braucht gleichzeitig Arbeitskräfte

Genau hier trifft restriktive Migrationspolitik auf eine nüchterne wirtschaftliche Realität.

Nach aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit gewinnt Zuwanderung in Engpassberufen weiter an Bedeutung. Der Anteil ausländischer Beschäftigter in diesen Berufen hat sich seit 2014 von rund sieben auf etwa 14 Prozent verdoppelt.

2025 waren im Jahresdurchschnitt rund 402.000 Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten bei der Bundesagentur gemeldet – etwa jede zweite davon in einem Engpassberuf.

Noch deutlicher ist die Lage in der Pflege. Rund 20 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen haben inzwischen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die Zahl ausländischer Pflegekräfte stieg innerhalb von zehn Jahren auf rund 353.000.

Das bedeutet nicht, dass Deutschland jede Form der Migration benötigt. Es bedeutet aber: Wer Zuwanderung reduziert, muss sehr genau unterscheiden, welche Gruppen gemeint sind und wie Fachkräfte weiterhin ins Land kommen.

Für Unternehmen wäre das entscheidend. Fehlende Elektriker, IT-Spezialisten, Pflegekräfte, Handwerker oder Ingenieure lassen sich nicht allein durch politische Forderungen ersetzen.

Falls du selbst über deine berufliche Zukunft nachdenkst, findest du bei FRINTON auch unseren Ratgeber Karriere ohne Burnout: Wie Erfolg langfristig funktionieren kann.

⚡ Energie, Auto und Klima: Was Autofahrer und Eigentümer merken würden

Für Autofahrer, Hausbesitzer und energieintensive Unternehmen gehört dieser Bereich zu den sichtbarsten Teilen des AfD-Programms.

Die Partei fordert unter anderem:

  • die Abschaffung sämtlicher CO₂-Abgaben,
  • niedrigere Energiesteuern,
  • die Senkung der Stromsteuer,
  • den Wiedereinstieg in die Kernenergie,
  • eine längere Nutzung beziehungsweise einen Ausbau von Kohlekraftwerken,
  • die Wiederinbetriebnahme beziehungsweise Reparatur von Nord Stream,
  • die Rücknahme von Vorgaben gegen Gas- und Ölheizungen,
  • die politische Absicherung des Verbrennungsmotors.

Würden Sprit und Heizung dadurch günstiger?

Eine Abschaffung staatlicher CO₂-Abgaben würde einen konkreten Preisbestandteil reduzieren. Das kann Benzin, Diesel, Heizöl oder Gas zunächst günstiger machen.

Wie stark der Endpreis sinkt, hängt jedoch zusätzlich von Weltmarktpreisen, Raffineriemargen, Wettbewerb, Netzentgelten und weiteren Steuern ab.

„CO₂-Abgabe weg“ bedeutet deshalb nicht automatisch dauerhaft billige Energie.

Kernkraft zurück – aber wie schnell?

Auch der Wiedereinstieg in die Kernenergie wäre keine Sofortmaßnahme.

Stillgelegte Anlagen benötigen technische Prüfungen, Genehmigungen, Personal und Brennstoffe. Bei bereits im Rückbau befindlichen Anlagen wird eine Reaktivierung noch schwieriger. Neue Kraftwerke würden lange Planungs- und Bauzeiten erfordern.

Die politische Entscheidung könnte also relativ schnell getroffen werden. Neue Kernenergie im Stromnetz wäre eine völlig andere Frage.

Der Klimawandel ist ein besonders deutlicher Faktencheck

Das AfD-Wahlprogramm erklärt, der menschliche Anteil am Klimawandel sei wissenschaftlich ungeklärt.

Diese Darstellung widerspricht dem internationalen wissenschaftlichen Kenntnisstand. Der Weltklimarat IPCC kommt auf Basis einer sehr großen Zahl wissenschaftlicher Arbeiten zu dem Ergebnis, dass der menschliche Einfluss auf die Erwärmung von Atmosphäre, Ozeanen und Land eindeutig ist.

🌍 Faktencheck: Ob eine bestimmte Klimaschutzmaßnahme sinnvoll, zu teuer oder ineffizient ist, kann politisch diskutiert werden. Dass menschliche Treibhausgasemissionen die globale Erwärmung wesentlich verursachen, ist wissenschaftlich dagegen sehr gut belegt.

Was bedeutet das für E-Autos?

Die AfD lehnt politische Vorgaben ab, die den Verbrennungsmotor zurückdrängen sollen, und kritisiert Subventionen für Elektromobilität.

Ein deutscher Politikwechsel würde allerdings nicht automatisch die internationale Entwicklung der Autoindustrie zurückdrehen. Hersteller entscheiden ihre Plattform-, Batterie- und Antriebsstrategien für globale Märkte und über viele Jahre im Voraus.

Wer wissen möchte, wie alltagstauglich die Technik unabhängig vom politischen Streit inzwischen ist, findet bei FRINTON unseren großen E-Auto-Vergleich 2026.

Hausbesitzer, die stärker auf eigene Energieversorgung setzen möchten, können außerdem prüfen, ob sich Photovoltaik 2026 für ihr Haus tatsächlich rechnet.

Verbrenner, E-Auto, CO₂-Preis und Energieversorgung: Die AfD würde bei Mobilität und Energie einen deutlichen Kurswechsel einleiten. (KI-generiert)
Verbrenner, E-Auto, CO₂-Preis und Energieversorgung: Die AfD würde bei Mobilität und Energie einen deutlichen Kurswechsel einleiten. (KI-generiert)

🇪🇺 Euro und Europa: Der wirtschaftlich größte Systemwechsel

Beim Euro gibt es wenig Interpretationsspielraum. Im AfD-Programm steht ausdrücklich: Deutschland soll aus dem Euro-System austreten.

Die Partei möchte wieder eine nationale Währung einführen beziehungsweise ein alternatives europäisches Währungsmodell schaffen.

Das wäre keine normale Wirtschaftsreform. Es wäre einer der größten finanzpolitischen Eingriffe seit Einführung des Euro.

Was würde mit Konto, Kredit und Gehalt passieren?

Diese Frage lässt sich heute nicht seriös mit einem festen Umrechnungskurs beantworten.

Eine Währungsumstellung müsste gesetzlich klären, in welcher Währung Bankguthaben, Gehälter, Renten, Mietverträge, Darlehen, Unternehmensschulden und staatliche Verpflichtungen fortgeführt werden.

Anschließend würde sich der Wert der neuen Währung gegenüber Euro, Dollar und anderen Währungen entwickeln.

Eine starke Aufwertung könnte beispielsweise Importe verbilligen, deutsche Exporte aber verteuern. Eine Abwertung könnte exportierenden Unternehmen helfen, gleichzeitig jedoch Importwaren, Energie und Auslandsreisen verteuern.

💶 Entscheidend: Weder „Mit der D-Mark wären wir automatisch reicher“ noch „alle Ersparnisse wären sofort wertlos“ ist seriös. Die tatsächlichen Folgen würden von Umstellungskurs, Kapitalmärkten, Verträgen und wirtschaftlicher Reaktion abhängen.

Kann Deutschland einfach aus dem Euro austreten?

Hier beginnt das juristische Problem.

Artikel 50 des EU-Vertrags enthält ein Verfahren für den Austritt eines Staates aus der Europäischen Union. Ein vergleichbares reguläres Verfahren für den Austritt eines bestehenden Euro-Mitglieds ausschließlich aus der Gemeinschaftswährung gibt es nicht.

Ein deutscher Euro-Austritt bei gleichzeitig unveränderter EU-Mitgliedschaft würde deshalb umfangreiche politische und rechtliche Verhandlungen erfordern.

Will die AfD gleichzeitig aus der EU?

Das Bundestagswahlprogramm 2025 formuliert nicht einfach einen sofortigen deutschen Austritt als ersten Schritt.

Stattdessen soll die heutige EU zu einem „Bund europäischer Nationen“ umgebaut werden. Viele Kompetenzen sollen an die Nationalstaaten zurückgegeben werden.

Das ist trotzdem erheblich weitreichender als eine gewöhnliche EU-Reform. Deutschland könnte diesen Umbau außerdem nicht allein beschließen. Europäische Verträge beruhen auf Vereinbarungen zwischen den Mitgliedstaaten.

Was wäre, wenn daraus letztlich ein Dexit würde?

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat bereits 2024 modelliert, wie sich ein vollständiger deutscher EU-Austritt nach dem Vorbild des Brexit entwickeln könnte.

Im Szenario lag das reale Bruttoinlandsprodukt nach fünf Jahren etwa 5,6 Prozent niedriger. Die kumulierten Verluste wurden auf rund 690 Milliarden Euro geschätzt; rechnerisch könnten etwa 2,5 Millionen Arbeitsplätze betroffen sein.

Diese Zahlen dürfen allerdings nicht falsch verwendet werden: Das ist eine Modellrechnung für einen vollständigen EU-Austritt und keine Prognose für das aktuelle AfD-Programm. Die wirtschaftlichen Folgen eines separaten Euro-Austritts wurden darin zudem nicht eingerechnet.

Wie stark sich unser Umgang mit Geld bereits innerhalb des Euro-Systems verändert, zeigt unser FRINTON-Beitrag „Bargeld ist out? Die Zahlungsmittelwende in Deutschland 2026“.

🌍 Russland, Ukraine und Wehrpflicht: Was sich außenpolitisch ändern würde

Auch außenpolitisch würde eine konsequente Umsetzung des AfD-Programms einen klaren Bruch mit der derzeitigen deutschen Linie bedeuten.

Die AfD fordert eine sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und die Instandsetzung der Nord-Stream-Pipelines.

Die Ukraine sieht das Programm langfristig als neutralen Staat außerhalb von NATO und EU.

Will die AfD aus der NATO austreten?

Aktuell fordert das Bundestagswahlprogramm keinen sofortigen NATO-Austritt.

Die NATO-Mitgliedschaft soll nach dem Programm so lange ein zentrales Element der deutschen Sicherheitsstrategie bleiben, bis ein eigenständiges und handlungsfähiges europäisches Militärbündnis existiert.

Eine weitere Osterweiterung von NATO und EU lehnt die Partei ab.

Für junge Männer besonders relevant: Die Wehrpflicht soll zurück

Dieser Punkt betrifft die FRINTON-Zielgruppe unmittelbar. Das Wahlprogramm fordert ausdrücklich, die Wehrpflicht wieder einzusetzen. Nach der dort genannten Ausgestaltung gehört dazu auch ein Ersatzdienst.

Damit würde Politik sehr konkret. Für junge Männer könnten Ausbildung, Studium oder Berufseinstieg wieder durch Wehr- beziehungsweise Ersatzdienst beeinflusst werden.

🪖 Faktencheck: Wer glaubt, AfD-Politik bedeute automatisch weniger staatliche Verpflichtungen für den Einzelnen, sollte diesen Punkt kennen. Während die Partei in vielen Bereichen weniger Staat fordert, möchte sie bei der Landesverteidigung wieder eine allgemeine Dienstpflicht über die Wehrpflicht aktivieren.

Familien sollen finanziell stärker unterstützt werden. Entscheidend wäre, wie Betreuungsgehalt und Familiensplitting den tatsächlichen Familienalltag verändern. (KI-generiert)
Familien sollen finanziell stärker unterstützt werden. Entscheidend wäre, wie Betreuungsgehalt und Familiensplitting den tatsächlichen Familienalltag verändern. (KI-generiert)

🏠 Familie, Rente und Wohnen: Wer profitieren könnte

Bei Familien-, Renten- und Immobilienpolitik enthält das AfD-Programm zahlreiche finanzielle Versprechen, die im politischen Streit häufig weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Familien sollen erheblich stärker finanziell gefördert werden

Unter anderem fordert die AfD:

  • eine Rückzahlung beziehungsweise Gutschrift von 20.000 Euro an Rentenbeiträgen bei der Geburt eines Kindes,
  • ein Betreuungsgehalt bis zum dritten Geburtstag,
  • Familiensplitting statt reinem Ehegattensplitting,
  • einen höheren Kinderfreibetrag,
  • sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Kinderbedarf,
  • einen Ehe-Start-Kredit, bei dem mit jedem Kind ein Teil erlassen werden soll.

Für Familien mit Kindern können diese Maßnahmen erhebliches zusätzliches verfügbares Einkommen bedeuten.

Doch die Förderung ist mit einem klaren Familienbild verbunden

Das Programm orientiert Familienpolitik stärker an einem klassischen Modell aus Eltern und Kindern und setzt bewusst Anreize für Betreuung innerhalb der Familie.

Für Väter kann daraus eine interessante Frage entstehen: Wird ein Betreuungsgehalt tatsächlich dazu genutzt, Erwerbs- und Familienarbeit gleichmäßiger zu verteilen – oder führt es hauptsächlich dazu, dass weiterhin ein Elternteil, statistisch häufig die Mutter, länger aus dem Beruf aussteigt?

Solche Entscheidungen wirken über Jahre auf Einkommen, Karriere und Rentenansprüche.

Wie Männer Gleichberechtigung im Familien- und Berufsalltag aktiv mitgestalten können, beleuchten wir bei FRINTON in „Gleichberechtigung 2026: Welche Verantwortung Männer jetzt tragen“.

Was würde sich bei der Rente ändern?

Die AfD möchte Renten langfristig erhöhen, den Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge ermöglichen und weitere Gruppen stärker in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen.

Zusätzlich setzt sie auf stärkere private Kapitalmarkt-Vorsorge.

Das klingt für viele Arbeitnehmer attraktiv. Aber auch hier gilt die gleiche Grundfrage wie bei den Familienleistungen: Wie werden höhere Leistungen dauerhaft finanziert, wenn gleichzeitig staatliche Einnahmen erheblich sinken sollen?

Unabhängig von Parteiprogrammen solltest du deine Altersvorsorge deshalb nicht allein auf zukünftige politische Versprechen aufbauen. Unser FRINTON-Ratgeber „Rente erhöhen: 25 clevere Wege für mehr Geld im Alter“ zeigt Möglichkeiten, die du selbst beeinflussen kannst.

Eigentümer gehören zu den klarer begünstigten Gruppen

Die Grundsteuer soll abgeschafft werden. Für selbstgenutztes Wohneigentum möchte die AfD außerdem die Grunderwerbsteuer streichen.

Mieter sollen stärker beim Erwerb ihrer Wohnung unterstützt werden. Gleichzeitig lehnt die Partei Mietpreisbremse und Mietendeckel als Investitionshemmnisse ab.

Für einen Hauskäufer können die steuerlichen Vorteile erheblich sein. Für einen Mieter in München, Hamburg, Köln oder Berlin ist die Rechnung weniger eindeutig: Einer möglichen Entlastung bei umlagefähigen Kosten stünde weniger staatliche Regulierung von Neuvermietungsmieten gegenüber.

🏠 Kurz gesagt: Wer Wohneigentum besitzt oder erwerben möchte, könnte von Teilen des AfD-Programms unmittelbar profitieren. Für Mieter hängt die Bilanz wesentlich stärker vom jeweiligen Wohnungsmarkt ab.

Ein deutscher Euro-Austritt würde weit mehr verändern als das Bargeld im Portemonnaie – betroffen wären auch Konten, Kredite, Unternehmen und Verträge. (KI-generiert)
Ein deutscher Euro-Austritt würde weit mehr verändern als das Bargeld im Portemonnaie – betroffen wären auch Konten, Kredite, Unternehmen und Verträge. (KI-generiert)

🩺 Gesundheit und WHO: Eine Forderung ist inzwischen vom Vertragstext überholt

Das AfD-Wahlprogramm fordert eine grundlegende Reform der Weltgesundheitsorganisation und andernfalls einen Austritt Deutschlands aus der WHO.

Das Programm begründete dies 2025 unter anderem mit der Befürchtung, ein WHO-Pandemievertrag könne weitreichende Eingriffe in nationale Entscheidungen und persönliche Freiheiten ermöglichen.

Hier hat sich die Faktenlage seit Verabschiedung des Wahlprogramms weiterentwickelt.

Der im Mai 2025 verabschiedete WHO-Pandemievertrag stellt ausdrücklich klar, dass die WHO keine Befugnis erhält, nationale Gesetze zu ändern oder Staaten Maßnahmen wie Lockdowns, Impfpflichten oder medizinische Behandlungen vorzuschreiben.

🩺 Faktencheck: Die Befürchtung, der inzwischen verabschiedete Pandemievertrag gebe der WHO die Macht, Deutschland eigenständig Lockdowns oder Impfpflichten aufzuerlegen, wird vom Vertragstext nicht gedeckt. Solche Entscheidungen verbleiben bei den Staaten.

⚖️ Realitätscheck: Was könnte eine AfD-Regierung tatsächlich umsetzen?

Politische Debatten vermitteln häufig den Eindruck, eine Partei müsse nur die Bundestagswahl gewinnen und könne anschließend ihr vollständiges Programm durchregieren.

So funktioniert die Bundesrepublik nicht.

Viele normale Gesetze ließen sich mit einer stabilen Mehrheit verändern

Mit ausreichender Mehrheit im Bundestag könnte eine Regierung erhebliche Teile des Steuer-, Sozial-, Energie- und Gesellschaftsrechts verändern.

Je nach Gesetz ist allerdings auch der Bundesrat beteiligt. Dort hängen Mehrheiten von den Landesregierungen ab.

Für Grundgesetzänderungen reichen 50 Prozent nicht

Artikel 79 des Grundgesetzes verlangt für Verfassungsänderungen eine Zweidrittelmehrheit sowohl der Mitglieder des Bundestages als auch der Stimmen des Bundesrates.

Bestimmte Grundprinzipien – insbesondere die Menschenwürde und wesentliche Strukturprinzipien aus Artikel 20 – dürfen aufgrund der sogenannten Ewigkeitsklausel überhaupt nicht beseitigt werden.

Auch Brüssel lässt sich nicht per deutschem Gesetz neu ordnen

Deutschland kann den Aufbau der EU nicht allein verändern. Ein grundlegender Umbau der Europäischen Union benötigt europäische Verhandlungen und Vertragsänderungen.

Ein vollständiger EU-Austritt wäre zwar über Artikel 50 vorgesehen, hätte aber ein eigenes mehrjähriges Austrittsverfahren zur Folge.

Und auch Gerichte verschwinden nach einer Wahl nicht

Bundesverfassungsgericht, Fachgerichte und – soweit Europarecht betroffen ist – europäische Gerichte bleiben Kontrollinstanzen.

Gesetze können deshalb auch nach einer parlamentarischen Mehrheit daran scheitern, dass sie gegen übergeordnetes Recht verstoßen.

👀 Was würde AfD-Politik für deinen Alltag bedeuten?

Parteiprogramme sind abstrakt. Spannender wird es, wenn man ihre Maßnahmen auf typische Lebenssituationen herunterbricht.

Deine Situation Möglicher Vorteil Mögliches Risiko beziehungsweise offene Frage
Gutverdienender Angestellter Deutliche Steuerentlastung möglich Euro-, EU- und Wirtschaftspolitik könnte Arbeitsplatz und Vermögen beeinflussen
Selbstständiger Weniger Regulierung und Abgaben Export- und Währungsrisiken bei europäischem Systemwechsel
Familienvater Familiensplitting, Kinderentlastungen, Betreuungsgehalt Finanzierbarkeit und Auswirkungen auf Erwerbsmodelle
Hausbesitzer Grundsteuer soll entfallen, Energieauflagen sollen sinken Langfristige Energie- und Klimakosten bleiben ungewiss
Mieter Möglicherweise niedrigere umlagefähige Grundsteuer Mietpreisbremse soll entfallen
Autofahrer CO₂-Abgaben sollen entfallen, Verbrenner politisch geschützt werden Marktentwicklung der Autoindustrie ist international
Junger Mann Keine unmittelbare finanzielle Begünstigung aus der Forderung Wehrpflicht und Ersatzdienst sollen zurückkehren
Rentner Höhere Renten sind politisches Ziel Finanzierung angesichts sinkender Staatseinnahmen offen
Arbeitgeber mit Fachkräftemangel Weniger Bürokratie Restriktivere Migration kann Rekrutierung erschweren

Auch eine Regierung mit klarer Mehrheit bleibt an Grundgesetz, Gerichte, Bundesrat und europäisches Recht gebunden. (KI-generiert)
Auch eine Regierung mit klarer Mehrheit bleibt an Grundgesetz, Gerichte, Bundesrat und europäisches Recht gebunden. (KI-generiert)

🧾 AfD-Faktencheck: Acht Behauptungen im Schnelltest

Behauptung Einordnung
„Unter der AfD hätte jeder deutlich mehr Netto.“ Zu pauschal. Viele Steuerzahler würden entlastet, nach ZEW-Modellen profitieren hohe Einkommen jedoch besonders stark.
„Die AfD will alle Ausländer abschieben.“ So nicht im offiziellen Programm. Qualifizierte Fachkräftezuwanderung bleibt vorgesehen. Rückführungs-, Aufenthalts- und Einbürgerungsregeln sollen aber erheblich verschärft werden.
„Die AfD will aus dem Euro.“ Richtig. Der Austritt Deutschlands aus dem Euro-System steht ausdrücklich im Programm.
„Die AfD will sofort Deutschland aus der EU führen.“ Zu verkürzt. Das Programm 2025 fordert zunächst einen grundlegenden Umbau der EU zu einem Bund europäischer Nationen.
„Unter der AfD wäre Kernkraft sofort wieder verfügbar.“ Falsch. Ein politischer Wiedereinstiegsbeschluss wäre möglich, die praktische Wiederinbetriebnahme beziehungsweise der Neubau benötigt Zeit.
„Die AfD will aus der NATO.“ So aktuell nicht. Die NATO soll zunächst Teil der deutschen Sicherheitsstrategie bleiben.
„Die AfD möchte die Wehrpflicht zurück.“ Richtig. Diese Forderung steht ausdrücklich im Bundestagswahlprogramm.
„Eine AfD-Regierung könnte ihr komplettes Programm sofort durchsetzen.“ Falsch. Bundesrat, Grundgesetz, Gerichte, EU-Recht und internationale Verträge begrenzen den Handlungsspielraum.

🚨 Die fünf größten Zielkonflikte der AfD-Politik

1. Steuern stark senken und gleichzeitig Leistungen erhöhen

Familienförderung, höhere Renten, Infrastruktur und Verteidigung kosten Geld. Gleichzeitig sollen zahlreiche Steuern und Abgaben fallen.

Eine Regierung müsste deshalb entweder wesentlich größere Einsparungen erreichen, als andere Regierungen bislang geschafft haben, andere Einnahmen erhöhen oder einzelne Versprechen reduzieren.

2. Migration begrenzen und trotzdem genug Fachkräfte finden

Die AfD unterscheidet zwischen Asyl- und Fachkräftemigration. Trotzdem bleibt die Frage, ob ein restriktiveres Gesamtklima genügend internationale Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt attraktiv hält.

Aktuelle Arbeitsmarktdaten zeigen, dass Deutschland bereits heute in zentralen Branchen auf sie angewiesen ist.

3. Mehr nationale Währungsfreiheit – ohne neue wirtschaftliche Risiken

Eine eigene Währung könnte theoretisch wieder eine nationale Geld- und Wechselkurspolitik ermöglichen.

Gleichzeitig würden Unternehmen, Anleger und Verbraucher wieder Währungsrisiken innerhalb Europas tragen. Wie groß diese wären, kann niemand seriös vorhersagen.

4. Energie schnell verbilligen – obwohl neue Infrastruktur Jahre benötigt

Steuern und CO₂-Abgaben lassen sich relativ schnell verändern. Kernkraftwerke, Pipelines, Netze und Kraftwerkskapazitäten dagegen nicht.

Der politische Kurswechsel wäre deshalb deutlich schneller als der tatsächliche Umbau des Energiesystems.

5. Beziehungen zu Russland normalisieren und westliche Bündnisse erhalten

Deutschland könnte seine Russlandpolitik ändern. Eine sofortige Aufhebung von Sanktionen und Wiederaufnahme umfassender Energiebeziehungen würde jedoch in einer EU und NATO stattfinden, deren Mitglieder teilweise eine völlig andere Sicherheitsstrategie verfolgen.

Der Versuch, beides gleichzeitig aufrechtzuerhalten, könnte zu erheblichen außenpolitischen Spannungen führen.

Für junge Männer wäre eine AfD-Forderung besonders unmittelbar spürbar: Die Partei möchte die Wehrpflicht wieder einsetzen. (KI-generiert)
Für junge Männer wäre eine AfD-Forderung besonders unmittelbar spürbar: Die Partei möchte die Wehrpflicht wieder einsetzen. (KI-generiert)

📝 FRINTON-Fazit: Was würde die AfD wirklich ändern?

Der Faktencheck zeigt: Eine AfD-geführte Bundesregierung würde nicht einfach nur „konservativer“ regieren. Bei konsequenter Umsetzung ihres Programms wäre ein fundamentaler Richtungswechsel in mehreren Politikfeldern wahrscheinlich.

Steuerzahler und Unternehmen könnten von niedrigeren Abgaben und weniger Regulierung profitieren. Gerade Eigentümer und höhere Einkommen gehören nach den verfügbaren Modellen zu den Gruppen mit besonders großen finanziellen Vorteilen.

Doch diese Entlastungen haben eine zweite Seite. Eine ZEW-Simulation kommt für zentrale AfD-Forderungen auf rund 97 Milliarden Euro weniger staatliche Einnahmen pro Jahr. Gleichzeitig sollen Familien, Rentner, Infrastruktur und Verteidigung stärker unterstützt werden. Wie diese Rechnung langfristig aufgehen soll, bleibt eine entscheidende offene Frage.

In der Migration würde Deutschland erheblich restriktiver. Gleichzeitig zeigen aktuelle Arbeitsmarktdaten, dass Unternehmen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zunehmend auf ausländische Beschäftigte angewiesen sind. Ausgewählte Fachkräftezuwanderung müsste deshalb trotz des härteren Kurses funktionieren.

Bei Energie und Auto könnten CO₂-Abgaben und regulatorischer Druck sinken. Ein Wiedereinstieg in Kernkraft und eine Wiederbelebung fossiler Infrastruktur wären dagegen weder kostenlos noch kurzfristig zu realisieren. Zudem widerspricht die im AfD-Programm vertretene Unsicherheit über den menschlichen Anteil am Klimawandel dem wissenschaftlichen Forschungsstand.

Außenpolitisch wäre der Kurswechsel ebenfalls erheblich: Russland-Sanktionen sollen aufgehoben, Nord Stream repariert und die Ukraine außerhalb von NATO und EU gehalten werden. Gleichzeitig soll die NATO-Mitgliedschaft Deutschlands vorerst bestehen bleiben.

Für junge Männer besonders konkret: Die AfD möchte die Wehrpflicht wieder einsetzen.

Der größte wirtschaftliche Einschnitt wäre jedoch der geplante Austritt Deutschlands aus dem Euro-System. Ein solcher Schritt hätte Auswirkungen auf Banken, Unternehmen, Kredite, Verträge, Preise, Handel und Kapitalmärkte. Wie diese Folgen genau aussehen würden, kann heute niemand verlässlich berechnen.

🔎 Unterm Strich: Es gibt AfD-Forderungen, von denen einzelne Bürger oder Unternehmen finanziell profitieren könnten. Ein seriöser Faktencheck darf jedoch nicht bei der persönlichen Steuerersparnis stehen bleiben. Entscheidend ist die Gesamtwirkung auf Staatshaushalt, Arbeitsmarkt, Währung, Unternehmen, Energieversorgung und internationale Beziehungen. Genau dort werden aus attraktiven Einzelversprechen komplexe politische Rechnungen.

📚 Quellen und Methodik

Grundlage dieses Artikels ist insbesondere das auf dem 16. Bundesparteitag verabschiedete AfD-Bundestagswahlprogramm 2025. Forderungen wurden möglichst direkt aus der offiziellen Programmatik und nicht aus Social-Media-Zuspitzungen übernommen.

Zur unabhängigen Einordnung wurden unter anderem Daten und Analysen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, der Bundesagentur für Arbeit, des Deutschen Bundestages, des Bundesverfassungsgerichts, der Europäischen Union, des Instituts der deutschen Wirtschaft, der Weltgesundheitsorganisation und des Weltklimarats IPCC berücksichtigt.

Ökonomische Modellrechnungen wurden ausdrücklich als Szenarien gekennzeichnet. Sie können mögliche Wirkungen sichtbar machen, sind jedoch keine sicheren Zukunftsprognosen.

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